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Faktencheck: Malaria


Philipp Balga - 28. März 2019 - 0 comments

Faktencheck: Malaria – Eine Übersicht

Ende Februar unterzog sich eine 86-jährige Kärntnerin einer Hüft-OP in einem Spital in Klagenfurt. Die Operation verlief gut, die Patientin erholte sich schnell und konnte bereits nach wenigen Tagen entlassen werden. Tage später verschlechterte sich allerdings der Gesundheitszustand der Kärntnerin rapide. Sie wurde wieder im Krankenhaus aufgenommen, verstarb allerdings kurz darauf im Spital. Und zwar an Malaria.¹

Was war passiert?

Im Zuge von Hüft-Operationen ist es nicht ungewöhnlich, dass Ärzte aufgrund des Blutverlustes den Patienten Blutkonserven verabreichen. Das ist auch bei der 86-jährigen Patientin aus Kärnten passiert.

Eine dieser Blutkonserven war allerdings mit Malaria-Erregern infiziert. Die Patientin erkrankte und verstarb wenige Tage nach der Verabreichung der Bluttransfusion an Malaria.

Derjenige, der die Blutkonserve gespendet hat, konnte wenige Tage später ausgeforscht werden: Der Mann war zuvor in Uganda – einem Hochrisiko Malaria Gebiet – und erkrankte auch selber Tage nach der Blutspende an Malaria.¹

Allerdings verschwieg er seinen Afrika Aufenthalt. Und das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Gespendete Blutkonserven werden zwar auf über 15 Infektionskrankheiten geprüft, Malaria ist aber nicht dabei. Hier verlässt man sich auf einen ausführlichen Fragebogen, den die Blutspender zunächst ausfüllen müssen. Dabei wird unter anderem auch abgefragt, ob man sich in den vergangenen sechs Monaten im Ausland aufgehalten hat: War man in einem Malaria-Gebiet, führt das zu einer Sperre, man darf dann kein Blut spenden.³

Jener Mann hat diesen Fragebogen allerdings falsch ausgefüllt und seinen Afrika Aufenthalt verschwiegen – mit der Konsequenz, dass durch seine Blutspende nun eine Frau verstorben ist.²
Die Klagenfurter Staatsanwaltschaft ermittelt bereits.¹

So dramatisch dieser Fall auch ist, grundsätzlich sind Blutkonserven aber sicher, retten Leben und die Wahrscheinlichkeit sich mit einer Krankheit anzustecken liegt im Durchschnitt bei 1 zu 5 Millionen.³

Aber was ist Malaria überhaupt

Malaria Vorkommen Weltweit

Malaria – Vorkommen Weltweit

Malaria zählt zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten und kommt weltweit in wärmeren bzw tropischen Ländern vor: Afrika südlich der Sahara, Teilgebiete Asiens, Zentral- und Südamerikas sowie im Südpazifik.

Malaria wird durch Parasiten verursacht und durch Stechmücken übertragen

Auslöser dieser Infektionskrankheit sind keine Viren oder Bakterien, sondern einzellige Parasiten – sogenannte Plasmodien. Hier werden grundsätzlich 4 verschiedene Arten unterschieden, die auch einen unterschiedlichen Krankheitsverlauf zeigen.

Die Erreger werden durch eine verwandte Art unserer Gelsen, der Anopheles Stechmücke, auf den Menschen übertragen.

Die Stechmücke ist nachtaktiv, das größte Risiko gestochen zu werden besteht daher in der Dämmerung oder beim Schlafen!

Die Inkubationszeit, d.h. Zeitraum zwischen Stich und Auftreten erster Krankheitssymptome, dauert zwischen 1 und 5 Wochen.

Kurze Leberphase – keine Symptome

Malaria - Diagnose - Infektion im Blut

Malaria – Infektion im Blut

Nach Infektion kommt es zunächst zu einer Vermehrung der Parasiten in der Leber. Diese Phase dauert einige Tage und verläuft komplett ohne Symptome.

Befall der Erythrozyten – Die typischen Fieberschübe beginnen

Nach Freisetzung der gereiften Erreger aus der Leber in die Blutbahn werden allerdings die roten Blutkörperchen befallen. Von jetzt erfolgt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die Entwicklung, Reifung und Freisetzung der Plasmodien in diesen roten Blutkörperchen, den Erythrozyten.

Es kommt nun zu den typischen Malaria Symptomen: regelmäßige Fieberschübe, die abhängig von der Art der Erreger im 3-Tages oder 4-Tages Rhythmus bzw auch komplett unregelmäßig auftreten.

  • Phase 1:
    Schüttelfrost mit starken Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Brechreiz. Die Temperatur beginnt zu steigen.
  • Phase 2:
    Fieberanstieg bis 40 Grad, schwere Übelkeit und Erbrechen. In dieser Phase platzen die Erythrozyten und es werden die Erreger in die Blutbahn freigesetzt.
  • Phase 3:
    Starkes Schwitzen, die Temperatur beginnt zu sinken.

Wie zuvor erwähnt, wiederholen sich bei der sogenannten Malaria tertiana und quartana diese Phasen im 3- bzw 4-Tages Rhythmus.
Bei der schwerer verlaufenden Malaria tropica kommt es in unregelmäßigen Abständen zum Auftreten dieser Krankheitsphasen.⁴

Therapie bei Malaria

Jeder Patient, der nach einem Aufenthalt in einem Malaria-Gebiet zu fiebern beginnt, muss auf Malaria kontrolliert werden!

Die Behandlung erfolgt ausschließlich stationär in auf Tropenkrankheiten spezialisierten Krankenhäusern.

Trotz Therapie verläuft die Erkrankung jedoch immer wieder tödlich. In Deutschland sind im Jahr 2013 von 700 Erkrankten knapp 1% verstorben.⁶

Malariaprophylaxe

Vor einer Reise in ein Malaria-Gebiet, ist es unbedingt notwendig, sich reisemedizinisch beraten zu lassen!

Ein Ansteckungsrisiko ist vor allem in West- und Ostafrika extrem hoch:
Ohne Prophylaxe kommt es pro 100 Reisenden in 7-24 Fällen zu einer Erkrankung – Das heißt das Risiko beträgt bis zu 25% an Malaria zu erkranken!

Abhängig vom Reiseziel unterscheidet man 3 Möglichkeiten sich vor Malaria zu schützen:⁵

1) Infektionsverhütung

Moskitonetze in Vietnam zum Schutz vor Malaria

Moskitonetze in Vietnam zum Schutz vor Malaria

Basis jedes Tropenaufenthaltes ist die konsequente Anwendung von Insektenschutzmittel. Wie ich bereits in einem Artikel über Reisemedizin beschrieben habe, werden dabei zwei Mittel angewendet:

  • Einerseits sogenannte, Repellents, also insektenabweisende Mittel die regelmäßig und mehrmals täglich auf die Haut aufgetragen werden. Bewährt haben sich hier vor allem Mittel mit dem Wirkstoff DEET.
  • Andererseits sollte die Kleidung und die Moskitonetze vor Reiseantritt bzw einmal pro Monat bei längerem Aufenthalt mit einem Insektizid imprägniert werden – hier wird der Wirkstoff Permethrin empfohlen.

Die Anwendung und Kombination dieser beiden Mittel ist höchst effizient wie eine durchgeführte Studie zeigt:

Im gleichen Zeitraum wird man ohne Insektenschutz bis zu 2.287 Mal gestochen – mit Schutz lediglich 2 Mal. Ziemlich eindrucksvoll.

Vorteil dieser Methode ist, dass man sich damit nicht nur vor Malaria schützt, sondern auch vor anderen, durch Stechmücken übertragbare Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika oder Chikungunya.

2) Die Notfallselbstmedikation

Bei Reisen in bestimmte Malaria Risiko Gebieten wird seit 1988 in Österreich, Deutschland und der Schweiz die sogenannte Stand-by Medikation angewendet. Der Reisende nimmt die Malaria Medikamente auf die Reise mit. Sollte es zu Fieber oder anderen Symptomen kommen, die auf eine Malaria schließen lassen, kann der Betroffen die Medikamente gleich einnehmen.

Die Methode setzt natürlich eine ausführliche Aufklärung und reisemedizinische Beratung vor Antritt der Reise voraus!

3) Permanente Prophylaxe

Sollte eine Reise in Hochrisiko Malaria Gebiete geplant sein, kommt man um eine regelmäßige, meist tägliche Einnahme von Malaria Medikamenten nicht herum. Die Anwendung unterscheidet sich dabei je nach Medikament, muss aber bereits vor Reiseantritt und auch nach Rückkehr eine zeitlang eingenommen werden.

Auch hier ist selbstverständlich eine ausführliche ärztliche Beratung im Vorfeld notwendig.

Zusammenfassung

Malaria ist weltweit verbreitet, mehr als 2 Milliarden Menschen leben in Gebieten in denen Malaria übertragen wird. Dabei kommt es jährlich zu über 3 Millionen Todesfällen.

Die Krankheit wird durch Parasiten ausgelöst, die durch den Stich einer infizierten Stechmücke der Gattung Anopheles übertragen wird.

Malaria ist eine schwer verlaufende Krankheit, es kommt trotz Therapie immer wieder zu Todesfällen.

Bei geplanten Reisen in Malaria Gebiete sollte man daher vorher immer eine reisemedizinische Beratung einholen.

 


Bild Malaria Vorkommen: © Photo by S. Jähnichen, Malaria distribution (de), CC BY-SA 3.0

Bild Malaria Infektion  (c) Bild bei Flickr/Ed Uthman (unter CC BY 2.0 Lizenz)

Bild Moskitonetz  (c) Bild bei Flickr/Josh and Erica Silverstein (unter CC BY 2.0 Lizenz)

Quellen:

¹ https://derstandard.at/2000099860983/Kaerntnerin-nach-Operation-in-Klagenfurt-an-Malaria-gestorben

² https://derstandard.at/2000100095124/Frau-an-Malaria-gestorben-Blutspender-war-in-Uganda-und-erkrankte

³ https://derstandard.at/2000099930538/Spenderblut-wird-nicht-auf-Malaria-getestet

⁴ Thiemes Innere Medizin, Verlag Thieme, ISBN 3-13-112361-3, Malaria, S.1870-1874

⁵ Österreichische Ärztezeitung, Ausg. 9 / 10.5.18, Malaria Prophylaxe, S. 28-36

⁶ https://de.wikipedia.org/wiki/Malaria#Klinisches_Bild,_Symptomatik

 

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Philipp Balga

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Dr. Philipp Balga ist Arzt für Allgemeinmedizin, Ernährungsmediziner und Reisemediziner.

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