The good, the bad & the ugly – Die vielen Gesichter von Cholesterin

Philipp Balga

The good, the bad & the ugly – Die vielen Gesichter von Cholesterin

Unangefochten an der Spitze im Ranking der häufigsten Todesursachen in Österreich sind weiterhin Herz-Herz-Kreislauferkrankungen. Hinter diesem recht allgemeinen Begriff finden sich jede Menge Erkrankungen des Herzens wie etwa Herzschwäche oder Herzinfarkte, Rhythmusstörungen, koronare Herzerkrankungen oder Schädigungen an den Herzklappen. Aber auch Krankheiten an den Blutgefäßen wie Verkalkungen der Arterien gehören zu dieser Gruppe.

Die Verkalkungen werden auch als Arteriosklerose bezeichnet. Auslöser sind sogenannte “Plaques”: Ablagerungen die zu Verengungen bis zu kompletten Verschlüssen der Arterien führen.

Kommt es zum Beispiel an den Koronararterien zu solchen Verschlüssen – das sind jene Arterien die unser Herz mit Sauerstoff versorgen – bekommt der Herzmuskel kein Blut, somit keinen Sauerstoff und die Chance auf einen Herzinfarktes erhöht sich deutlich.

Plaques entstehen langsam im Laufe der Jahre und tun (leider) nicht weh. Daher haben wir auch keine Warnzeichen und bemerken diese Ablagerungen lange nicht.

Risikofaktoren bei Arteriosklerose

Was wir aber wissen sind Risikofaktoren die zur Entstehung von Arteriosklerose führen:
Wenig Bewegung, Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus und vor allem – und jetzt kommen wir zum Thema: Fett- bzw kalorienreiche Ernährung und damit verbunden erhöhte Cholesterinwerte im Blut.

Die Blutfettwerte dürfen daher bei keiner Vorsorgeuntersuchung fehlen. Sie geben einen sehr genauen Überblick über das persönliche Arteriosklerose Risiko.

„The bad“ – Cholesterin

Fangen wir gleich mit “The bad” an: dem Cholesterin selbst.

Obwohl, so “bad” ist es gar nicht. Aber – wie so oft im Leben – die Dosis macht es aus.

Wir brauchen dieses Fett (=Lipid) nämlich zum Leben und finden es in den Zellwänden oder als Bestandteil von zahlreichen Hormonen und Vitaminen.
Und weil es so wichtig ist, stellt unser Körper auch bis zu 80% selbst her. Den restlichen Anteil führen wir mit der Nahrung zu.

Allerdings gibt es auch einen genetischen Defekt der Ursache für erhöhte Blutfette ist. Diese sogenannte “familiäre Hypercholesterinämie” kommt gar nicht so selten vor (1:250) und führt aufgrund einer Fehlregulation in der Cholesterinbildung zu erhöhten Werte die sich leider auch mit gesundem Lebensstil alleine kaum beeinflussen lassen.

Da Cholesterin als Fett im Wasser und daher auch im Blut bekanntlich nicht lösbar ist, braucht es hier Transportmittel, sogenannte Lipoproteine. Hier unterscheiden wir in “The Good” and “The Ugly”.

„The ugly“ – LDL Cholesterin

LWirklich “ugly” ist das LDL-Cholesterin. Diese Lipoproteine transportieren das Cholesterin ins Gewebe. Je höher das gemessene LDL, desto höher auch das Risiko für Arteriosklerose, Plaques und damit auch das Sterberisiko. Das geht soweit, dass wir bei der Sekundärprävention – also bei allen die schon einmal zB einen Herzinfarkt hatten – in der Therapie nach dem Motto “the lower the better” gehen. Dh als Ziel gilt, das LDL medikamentös soweit nach unten zu drücken wie es nur geht, um zu verhindern, dass es erneut zu einem Ereignis (zb zweiter Herzinfarkt) kommt.

LDL kann also gar nicht niedrig genug sein, so ugly ist das.

„The good“ – HDL Cholesterin

Aber wie immer im Leben gibt es auch die Guten – für uns ist das das HDL-Cholesterin a.k.a “the Good”.
Dieses Lipoprotein transportiert nämlich überschüssiges Cholesterin aus dem Gewebe zurück zur Leber, wo es in Gallensäuren umgebaut über den Darm ausgeschieden wird.
Hohe HDL Werte haben also schützende Wirkung (wobei viel zu hoch soll es auch wieder nicht sein). Wichtig dabei auch: Die Relation zu LDL.

Was können wir jetzt tun um unsere Blutfette günstig zu beeinflussen?

Das Wichtigste: Regelmäßige Bewegung, kein Rauchen und in der Ernährung auf viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte oder Fisch achten. Dazu den Anteil an tierischen Fetten senken dafür mehr pflanzliche Fette wie Olivenöle verwenden. Außerdem wenig Zucker, wenig Alkohol dafür täglich eine Handvoll ungesalzener Nüsse. Stichwort “Mittelmeerkost”.

Zum Schluss: Triglyceride

Der Vollständigkeit halber sollen auch die Triglyceride nicht unerwähnt bleiben. Auch sie werden im Rahmen einer Blutwertanalyse gemessen.

Triglyceride zählen auch zu den Blutfetten die das Arterioskleroserisiko deutlich erhöhen können. Grundsätzlich kann der Körper diese Fette in der Leber selber herstellen, aber zum Unterschied zu Cholesterin wird ein Großteil mit der Nahrung aufgenommen. Dementsprechend groß ist hier auch der Einfluss bei falschen Ernährungsgewohnheiten.

Wie bei Cholesterin gilt: Wenig Alkohol, meiden von einfachen Kohlenhydraten (Süßigkeiten, Marmelade, Zucker, Süßgetränken, Säfte, …), Fisch statt Fleisch und regelmäßige Bewegung. Übergewicht ist ebenso ein Risikofaktor bei erhöhten Triglyceridwerten.

Ab zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung

Seine Blutfettwerte zu kennen ist tatsächlich ein wichtiger Punkt im Rahmen der eigenen Gesundheitsvorsoge.
Deshalb werden diese Laborparameter auch standardmäßig bei jeder Vorsorgeuntersuchung mitbestimmt.

Erhöhte Werte können – vor allem in Kombination mit Hypertonie und Diabetes – ein echtes Risiko bei der Entstehung von Arteriosklerose darstellen.
Daher zumindest einmal im Jahr zum Hausarzt / -ärztin und auf einen gesunden Lebensstil achten!

 


Quellen:

  • NIH, Physiology, Cholesterol, Trevor Huff; Brandon Boyd; Ishwarlal Jialal. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK470561/
  • Pubmed, LDL-Cholesterin-Werte tief zu senken, lohnt sich, Michael Hubert, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31414418/

Bilder:

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Bild 1: Cholesterol Vectors by Vecteezy

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Bild 3 HDL: Cholesterin Icons erstellt von Smashicons – Flaticon

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